Geschichte
Schwedens letzter Dampfschlepper
Der Lotsendampfer S/S Orion in seinem Heimathafen auf Skeppsholm
Im Herbst 1928 übergab Schiffbauingenieur J.A. Hultmann der Königlichen Lotsenbehörde die Konstruktionszeichnungen für das vom Reichstag beschlossene neue Dampfdienstfahrzeug S/S Orion. Der Dampfer wurde 1929 von der Helsingborger Werft gebaut. Das Fahrzeug misst 32 mal 6 Meter, hat sieben Kabinen, zwei Salons, drei Messen, Kombüse, Dusche und einen Laderaum, alles in gutem Zustand. Maschinell ausgerüstet ist das Schiff mit kohlebeheiztem Kessel und sieben Dampfmaschinen, alle bis heute in Betrieb. Außer der Hauptmaschine vom Typ Compound gibt es Dampfmaschinen für den Betrieb des Generators, die Pumpen, die Ankerwinden und andere. Das als Dampfschlepper klassifizierte Schiff ist das älteste seiner Art in Schweden.
Der Dampfer wurde 1929 von der Helsingborger Werft gebaut. Das Fahrzeug misst 32 mal 6 Meter, hat sieben Kabinen, zwei Salons, drei Messen, Kombüse, Dusche und einen Laderaum, alles in gutem Zustand. Maschinell ausgerüstet ist das Schiff mit kohlebeheiztem Kessel und sieben Dampfmaschinen, alle bis heute in Betrieb. Außer der Hauptmaschine vom Typ Compound gibt es Dampfmaschinen für den Betrieb des Generators, die Pumpen, die Ankerwinden und andere. Das als Dampfschlepper klassifizierte Schiff ist das älteste seiner Art in Schweden.
Sowohl im Hafen als auch auf See
Die S/S Orion wurde im damaligen östlichen Lotsendistrikt Schwedens stationiert, der sich von Karlskrona im Süden bis Trosa im Norden erstreckte und sogar den Vätternsee umfasste. Sie stand zwischen 1929 und 1956 im Dienst. Ihre Aufgaben umfassten unter anderem im Frühjahr und Herbst das Aussetzen und Einholen von Bojen in den Fahrrinnen, die Versorgung gasbetriebener Leuchtfeuer mit Brennstoff und die Durchführung von Seevermessungen. Des Weiteren leistete das Schiff in der allgemeinen Seefahrt Dienste als Schlepper oder Eisbrecher.
Eine strikte Klassengesellschaft
Der Befehlshaber war ein Lotsendirektor oder Losteninspekteur. Weitere Diensttuende waren ein Steuermann, ein Maschinist, zwei Heizer, Hilfsheizer, Koch und Messebedienung sowie vier Mann auf Deck. In der Schwedischen Seefahrtszeitung von 1928, wo der Schiffsbau zum ersten Mal präsentiert wurde, kann man unter anderem lesen, wie die Kabinen an Bord je nach Status der Benutzer ausgestattet waren. Die Kapitänskajüte war mit Mahagoni getäfelt, die der Offiziere mit polierter Eiche, während die Mannschaft mit Kiefernholz vorlieb nehmen musste.
Der Kapitän verfügte über die halbe Wohnfläche, inklusive einer eigenen Messe. Die weitere Besatzung von neun Mann teilte sich die andere Hälfte im vorderen Teil des Schiffs. Die Räume waren getrennt zwischen Offizieren und Mannschaft. Eingebaut war eine Extra-Treppe hinab zum Kabinendeck, so dass Offiziere und Mannschaft sich auf ihrem Weg zu oder von ihren Kabinen nicht begegnen mussten. Darüber hinaus hatte man getrennte Messen, wo die Malzeiten eingenommen wurden.
Die Hierarchie an Bord beinhaltete, dass der Kapitän nicht direkt mit der Mannschaft kommunizierte, sondern nur über die Schiffsoffiziere. Der Kommandeur war uneingeschränkter Herrscher an Bord.
Gefangen im Vätternsee
Die S/S Orion ist nur sechs Meter breit. Grund dafür ist, dass das Fahrzeug so konstruiert sein musste, dass es den Göta-Kanal durch die Schleusen hinauf zum Vättern-See fahren konnte.
Das Schiff war bei vielen Gelegenheiten im Vättern-See im Dienst. Nachdem es einmal auf Grund eines beschädigten Schleusentors auf der Ostgötaseite gezwungen war dort zurückzubleiben, wurden die Aufgaben geändert und die S/S Orion in den Dienst eines privaten Unternehmens gestellt.
Glücklicherweise fand sich schließlich sich für das Schiff doch noch ein ”Hinterausgang” aus dem Vättern-See.
Über den Vännern-See, Göta Alv, Göteborg und die Westküste fand man zurück zum Heimathafen in Kalmar.
Beinahe-Katastrophe bei einem U-Boot-Manöver
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges führte die Schwedische Marine im südlichen Schärengarten Stockholms Manöver unter anderem mit U-Booten durch. Aus unbekannter Ursache kam die S/S Orion in das abgesperrte Gebiet und befand sich urplötzlich mitten in einer Torpedoübung.
Nach den Angaben eines ehemaligen Flottenkommandeurs, zu dieser Zeit junger U-Boot-Kommandant, ereignete sich ein ernster Zwischenfall. Eine gewaltige Explosion, wahrscheinlich verursacht durch ein Torpedo, brachte die S/S Orion beinahe zum Kentern und sie entging der Katastrophe nur knapp. Das Schiff konnte sich gerade noch retten und konnte trotz allem mit eigener Maschinenkraft weiterfahren. Unter der Besatzung gab es leichte Verletzungen, vor allem aber einen schweren Schock. Es folgten umfangreiche Aufräumarbeiten und Reparaturen der Schäden an Bord. Die eigentliche Ursache dafür, dass die S/S Orion nicht über die Gewässerabsperrung informiert war, ist totgeschwiegen worden und bis zum heutigen Tage im Dunkeln geblieben.
Arbeit unter Lebensgefahr
Die Entwicklung moderner Bojen und ihr Aussetzen brachte es mit sich, dass das Dampfschiff mit der Zeit unmodern wurde. Bei schwereren Bojen erwies sich, dass das Fahrzeug zu groß und breit war und die Arbeit für die Besatzung zusehends gefährlich wurde.
Der Hebebaum war für einen Hub von drei Tonnen mit einem einzigen Kabelblock konstruiert. Um die Tragkraft der Winde für die immer schwerer werdenden Bojen zu steigern, wurde der Mastbaum verstärkt und das Seil mit mehreren Kabelboxen ausgewechselt, wodurch die Hubkraft auf fünf Tonnen gesteigert wurde. Daraus ergaben sich jedoch Konsequenzen für die Stabilität des Fahrzeugs.
Olle Pettersson, damals Chefmaschinist an Bord, hat berichtet, dass bei Hebemanövern das Schiff sich schließlich so weit neigte, bis das Seewasser auf Deck strömte. Das bedeutete nahezu 45 Grad Schlagseite und eine kritische Lage für das Schiff.
Der Dampf geht aus
Die dampfbetriebene Winde an Bord wurde zur Ursache dafür, dass, bei den immer größer werdenden Bojen, das Boot unmodern wurde.
So ereignete sich im Frühjahr 1955 ein ernster Zwischenfall beim Aussetzen von Leuchtbojen im St. Anna-Schärgarten. Eine am Hebebaum hängende Boje begann plötzlich herabzurutschen. Ein Matrose wurde darauf aufmerksam und warf sich auf die Bandbremse des Hebebaums, um den Fall zu stoppen. Die Bremse hatte jedoch keine ausreichende Kapazität für die schwere Boje und in einem verzweifelten Versuch den Fall zu stoppen wurde die Winschsperre, die normalerweise nur dazu verwendet wird eine stillstehende Winschtrommel zu sperren, verriegelt. Die Folge war, dass vier gusseiserne Zahnräder in der Trommel buchstäblich abgehobelt wurden, bevor die Winde schließlich stillstand. Wiederum ein Beispiel für die veraltete Ausrüstung des Dampfschiffs, das mit den Anforderungen der neuen Zeit nicht Schritt halten konnte.
Böse Zungen behaupteten damals, dass das Königliche Lotsenamt zwei Kontos habe, eines für Renovierung und Unterhalt mit einem beliebig großen Budget, das andere für Neuanschaffungen, das völlig ohne Mittel war. So lief die Instandhaltung des bestehenden Material bis ins Absurde weiter.
”Ein schwimmender Skandal des schwedischen Staates”
Das Leben an Bord war nicht nur durch die strikte Trennung von Offizieren und Mannschaft geprägt. Es war auch ein Arbeits- und Wohnmilieu, das starke Kritik weckte. Man wohnte sehr gedrängt und die sanitären Einrichtungen waren auf sehr niedrigem Standard.
In der Zeitung konnte man Anfang der 50er Jahre Artikel über das ”Skandalfahrezug des schwedischen Staates” lesen, in denen die schlechten Wohnumstände und sanitären Einrichtungen an Bord der S/S Orion kritisiert wurden.
Das Ganze fand sein Ende, als der Transport- und Kommunikationsminister die Angelegenheit in den Reichstag brachte. Dort wurde schließlich der Beschluss gefasst, dass alt gewordene Dampfschiff S/S Orion durch eine modernes Fahrzeug zu ersetzen, was dann im Jahr 1956 geschah.
Neue Aufgaben im Leuchtturmbau
Nach Indienststellung des neuen Schiffs wurde er alte Dampfer Reservefahrzeug, und zwar bis 1961. Das bedeutete, das er eingesetzt wurde, wenn die Schiffe anderer Lotsendistrikte wegen Reparaturen und Instandhaltung außer Dienst waren.
1961 wurde die S/S Orion umgebaut. Die offene Kommandobrücke wurde überdacht und das Fahrzeug wurde um drei Meter verlängert, um als Transportfahrzeug für den Leuchtturmbau in der Bauabteilung des Seefahrtsamts eingesetzt zu werden. Aufgabe wurde nun der Transport von Baumaterial für die vom Reichstag beschlossenen fest gebauten Leuchttürme, die die alten Feuerschiffe entlang der schwedischen Küste ersetzen sollten.
Das Leben nach dem Königlichen Lotsendienst
Der Dampfschlepper S/S Orion verrichtete seinen letzten Arbeitszyklus im Herbst 1979, danach wurde das Fahrzeug schließlich außer Dienst gestellt. Nur wenige Schiffe, wenn überhaupt, sind so lange wie die S/S Orion im Dienst gewesen. 1929 gebaut, ist sie erst 50 Jahre später außer Dienst gestellt worden. Das Fahrzeug war zu dieser Zeit hoffnungslos veraltet und hätte eigentlich zu Schrott verarbeitet werden sollen.
Anstelle dessen wurde das Schiff aber von einer Privatperson in Göteborg gekauft, die beabsichtigte, es für Kreuzfahrten entlang der norwegischen Küste einzusetzen. Schlechte Rentabilität und mangelnde Instandhaltung führten zu weiterem Verfall.
Nach zehn Jahren an der Westküste wurde das Schiff schließlich von einem Stockholmer Museumsverein gerettet und umfangreiche Restaurierungsarbeiten eingeleitet. Die Arbeit, die nach den Original-Konstruktionszeichnungen von 1929 erfolgt, wird in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Seefahrtsamts in Norrköping durchgeführt. Die staatliche Verwaltung hat das Schiff mit dem schönsten Liegeplatz auf Skeppsholm belohnt. Die S/S Orion liegt heute 50 Meter nördlich von der Skeppsholmbrücker vertäut und ist durch diese ausgesuchte Seelage ein neuer populärer Punkt im Stadtbild und Treffpunkt für flanierende Stockholmer Bürger und Touristen geworden.
Begegnungen und Erinnerungen
Unter den Besuchern, die einen großen Eindruck hinterlassen haben, muss eine ältere Dame genannt werden, die das Schiff im Frühjahr 1995 besuchte. Plötzlich war sie da und balancierte über die Landungsbrücke und wurde von allen an Bord hilfreich empfangen. Zunächst hätte man annehmen mögen, dass es sich vielleicht um eine allgemein verwirrte Person handeln möge, die ihren Heimweg nicht gefunden hatte. Doch die Wahrheit stellte sich rasch heraus. Die beinahe 90-jährige Dame berichtete, dass sie in ihrer Eigenschaft als Ehefrau des Lotsendirektors und Kapitäns viele Male mit der S/S Orion auf See gewesen sei. Sie berichtete mit großer Ehrfurcht und Enthusiasmus vom Erlebnis des lautlosen und vibrationsfreien Gleitens des Dampfschiffs durch den Schärengarten.
Weiter berichtete sie, wie schlecht sie von dem Nachfolgerschiff der S/S Orion dachte. Eine nach Diesel stinkende, ruckelnde Erfahrung, die zu machen sie jederzeit abgelehnt hatte.
Ein weiterer Besucher, der großen Eindruck hinterließ, ist Sven-Bertil Taube, der uns alle mit Geschichten aus seiner eigenen Vergangenheit als Matrose und seiner Ausstrahlung faszinierte.
Der Besuch mit der höchsten Bedeutung war aber natürlich, als Seine Majestät König Carl XVI Gustaf aus Anlass des Skeppsholmer Tags der See-Pfadfinder am 12. April 2003 mit Adjutant, Hofmarschall und dem Vorsitzenden des Stockholmer Seegebiets, Gustaf Taube, einen offiziellen Besuch an Bord des Dampfschiffs durchführte. Für den Besuch waren fünf Minuten vorgesehen, aber das Interesse des Königs am Projekt führte dazu, dass er für 15 Minuten an Bord blieb.
Am dem 17 April 2004 konnten wir freuen uns noch von ein amtlich besuch dann die Grafschaft Gouverneur, Mats Hellström besuchte unsere schiff, er war so entzückt dann Sie sofort Mitglied bekam.Noch ein amtlich besuch am 16 April 2005 war wenn der erste Regierungssprecher, Björn von Sydow, unsere schiff besucht, die besuch hat uns gefreut.
Eine schwimmende kulturhistorische Flotte
Das Dampfschiff des Königlichen Lotsenamts S/S Orion hat während 50 Jahren der schwedischen Seefahrt gedient und macht heute einen wichtigen Teil der kulturhistorischen schwimmenden Flotte Schwedens aus. Es ist darüber hinaus eine einzigartige Hinterlassenschaft des schwedischen industriellen Kulturerbes.
Der staatliche Meeresmuseumsschiffs-Rat beschloss im Frühjahr 2003, die S/S Orion in den Kreis der kulturhistorisch bedeutsamen Schiffe aufzunehmen.
Wiedereinweihung
Im Jahr 2004 wird die S/S Orion 75 Jahre alt und beabsichtigt ist, dass das Schiff dann wieder eingeweiht wird und in einstmaligem Glanz wieder unter eigenem Dampf den Kai verlassen wird.
Bo Thorstenson Vorsitzender des Museumsvereins














